Historisches Eiderstedt Wasserprobleme

Der Kampf gegen das Wasser und das Bemühen um Wasser

Die Landschaft Eiderstedt hat drei Wasserprobleme:
1. Die Abwehr des Meeres bei Sturmfluten,
2. die Entsorgung des Oberflächenwassers und
3. das Vorhalten und Besorgen von Trinkwasser.


1. Die Verteidigung des Landes gegen das Meer durch Deiche.
Die ersten Bewohner dieser Landschaft siedelten auf den Nehrungen, später zogen sie in die tiefer liegenden Gebiete, wo sie auf Hügeln, den Warften, ihre Wohnstätten errichteten. Dann wurden die Warften durch Deiche verbunden, die zumindest die leichteren Sommerfluten abhalten konnten. Die ersten Deiche, auch Sommerdeiche genannt, waren niedrig - ca. 2-3 m – und mußten immer weiter erhöht werden. Sie haben heute eine Höhe von bis zu 9 m 50. Die Form der Deiche hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert und verbessert. Prinzip ist, dass das Profil zum Meer hin immer flacher geworden ist, um die Kraft der Wellen zu brechen. Es gibt weiterhin den Stackdeich (meist an der gefährdetsten Stelle mit Bohlen und Balken verstärkt), den Schardeich, der direkt von der Flut angegriffen wird und kein Vorland hat, den Mitteldeich, ein Deich in zweiter oder gar dritter Linie und den Schlafdeich. Daneben gibt es noch den Kajedeich (eine Art Notdeich) und den Tümmeldeich, der sich in den Dünen verliert.

2. Die Entsorgung des Oberflächenwassers.
Wenn die Deiche verhindern, dass das Meerwasser in das Land eindringt, dann verhindert sie aber auch gleichzeitig, dass das Oberflächenwasser wieder verschwindet. Wie eine Badewanne läuft dann die Halbinsel voll Wasser, wenn nicht der Mensch für eine Lösung sorgen würde: die Wasserlösung.
Eiderstedt ist von Gräben durchzogen, die als Grenze dienen. Aber auch für die Entwässerung der Landschaft sorgen. Die Fennen sind gegrüppelt, damit sie schneller trocknen, das Wasser sammelt sich in den Gräben, um von dort in die Sielzüge, und schließlich durch die Siele oder auch Schleusen ins Meer zurückgeführt zu werden. Teilweise sind die großen breiten Sielzüge auch Bootfahrten, d.h. Kanäle, gewesen, auf denen Waren transportiert wurden, so die Norderbootfahrt (Tönning-Tetenbüll) und die Süderbootfahrt (Katingsiel-Garding). Die Gräben strukturieren die Landschaft und an der Form kann man das Alter ablesen: gerade und lange Gräben sind Leistungen einer Kolonisation ab 12. Jh. und die krummen, kurzen Gräben sind natürliche Wasserläufe, die schon vor der ersten Eindeichung vorhanden waren, also vor 1100.
Was wie Natur aussieht, ist meistens Menschenwerk, denn die Gräben sind gegraben worden, um die Entwässerung zu erleichtern. Die ersten genossenschaftlichen Vereinigungen in dieser Landschaften waren aus der Not zur Entwässerung entstanden. Der trockene Siedlungsplatz war entscheidend für die Besiedlung dieser Region. So begann die Besiedlung auf den Nehrungen (Brösum bis Katharinenheerd) und am Uferrand der Eider (Tofting, Büttel, Elisenhof). Diesen trockenen Platz versuchte man auszuweiten und in gemeinsamer Arbeit zu vergrößern. Man schloß sich zu Interessengruppen zusammen, zu Matingen, mit dem gemeinsamen Ziel, das verfügbare Land für die Feldarbeit trocken zu halten. Heute machen dies die Sielverbände. Der Kopfverband dieser Verbände ist der DHSV, der Deich- und Hauptsielverband. Er ist übrigens der letzte genossenschaftliche Verband, der seine Eigenständigkeit behalten hat. Alle anderen früheren selbständigen Vereinigungen sind in größere zentrale Einheiten aufgegangen.
Der DHSV regelt u.a. die Entwässerung der Landschaft. Sie ist besonders schwierig, wenn der Westwind lange Zeit die Wasserstände der Nordsee hochhält. Dann muß das Wasser in den Speicherbecken gesammelt werden (Everschopsiel, Süderhever, Rothenspieker) und es muß teilweise auch herausgepumpt werden. Heute machen dies die elektrischen Pumpen, früher waren es Windmühlen oder Wassermühlen. Auch das Eidersperrwerk ist gebaut worden, um die Entwässerung zu erleichtern.

3. Die Versorgung mit Trinkwasser.
Obwohl überall Wasser steht, war die Versorgung mit Trinkwasser immer ein Problem, das erst 1950-60 gelöst wurde, nachdem die Trinkwasserversorgung von der Geest her geregelt worden war. Zuvor gab es mehrere Möglichkeiten: zuerst die Kuhlen in den Fennen, die teilweise Mensch und Tier mit Trinkwasser versorgten, größere Graften umgaben die Warften und Hauberge; dann gab es die Brunnen, den Sod, häufig mit schlechtem in St. Peter auch schwefelhaltigem Wasser, es folgten die Sammelstellen des Regenwassers in Fethingen, schließlich die Wehlen, die alten Deichdurchbruchstellen, die sich im Laufe der Jahrhunderte mit Süßwasser gefüllt hatten. Zuletzt muß die Besonderheit der Landschaft, die Tauteiche erwähnt werden: (Tauteiche sammeln in der Nacht mehr Tau, als sie am Tage verdunsten können. Sind daher auch im Sommer, wenn die Gräben schon kein Wasser mehr haben, immer gefüllt.) Pütten, auch Späthinge genannt, sind tiefliegende Erdentnahmestellen für den Deichbau. Ihr Wasser ist für den Menschen nicht geeignet.


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